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AG Sprache

Eberhard Göpel:

Nachgedanken zu den Gesprächen in der „AG Sprache“ beim Symposium 2016 des DV Salutogenese in Göttingen

Ein zentrales Ziel:

Sprachliche Brücken bauen im Spektrum von vorsprachlichen Erfahrungen in alltäglichen  Lebensvollzügen, begriffliche Sortierung der Beschreibung von unterschiedlichen alltagsnahen  Anschauungen und Erlebensformen  von kindlichen Äusserungsformen  bis zu philosophischer/wissenschaftlicher/beruflich-professioneller/politischer/… Reflektion im Kontext unterschiedlicher Fachsprachen  und Sprachtraditionen.

Vorhaben:  

Das Konzept der Salutogenese und Gesundheitsförderung in eine allgemeinverständliche Sprach- und Anschauungsform zu bringen, die vor einer verdinglichenden, normativen Verfestigung bewahren kann und das Gesundheitsthema als ein integrierendes gesellschaftliches Hoffnungs- und Entwicklungsmotiv  für persönliches, gemeinschaftliches, berufliches und gesellschaftliches Engagement für alle Bürgerinnen und Bürger inhaltlich zugänglich macht.

Aspekte der  gemeinsamen  Diskussion:

Auch der Begriff „Gesundheit“  ( das gilt für „Krank-Heit“  ebenso)  bildet bereits in unserer Sprachkultur eine  Verständigungsbarriere, da er als Substantiv („ – heit“)  einen statischen Zustand signalisiert, der sich als  „Produkt“ ggf. auch für eine Vermarktung auf dem „Gesundheitsmarkt“ durch „Gesundheitsberufe“ im Rahmen einer „Gesundheitswirtschaft“ eignen könnte.

Richtiger ist wohl die Aussage  des Philosophen  Immanuel Kant,  Begriffe wie Gesundheit, Freiheit, Wahrheit seien „regulative Leitideen“  oder Ideal-Begriffe, zu deren  Wesen es gehört,  dass  sie nur annäherungsweise, aber niemals vollständig positiv realisiert werden können.

Eine ein-deutige und endgültige  Fixierung   ist  daher unmöglich. (Zum Glück ! dies ist ein wesentlicher Schutz vor generalisierenden Anmaßungen und Missbrauch).

Die Gesundheitserfahrung hat essentiell auch eine spezifische subjektive Seite, die für andere Menschen nicht unmittelbar zugänglich ist und nur in ihren Äusserungen beobachtet werden kann.

Wir haben darüber gesprochen, dass möglicherweise  eine Verbindung in der Sprachpraxis mit  verbreiteten Alltagsbegriffen  wie Wohlfühlen, Wohlbefinden, Wohlsein , aber auch Wohlstand oder Gemeinwohl  zu einem komplexeren Verständnis von Gesundheit  beitragen können.

Diese Überlegungen wollen wir  mit dem Austausch von weiteren Vorschlägen  fortführen  und dabei auch den Begriff der  „Salutogenese“  mit alltagssprachlichen Worthöfen  garnieren.

Vorgehen:

Das Vorhaben eines  „lernenden Lehrwerkes“  soll  nicht primär als eine wissenschaftliche Systematik  verfolgt werden, sondern  sich eher  aus beobachtenden  Beschreibungen entwickeln, die  sich von kindlichen Empfindungen  und Äusserungen  ableiten lassen ,  wie sie z.B. Eckhard Schiffers Beobachtungen der „Lächel-Dialoge“.

Die Ideen-Sammlung kann sich dann auf methodische Aspekte der Beobachtung von „Gesundheit in Aktion“  bzw. auf  „Ermöglichungsbedingungen“  für die Erfahrung gesunden Wohlbefindens  konzentrieren.

Es geht dabei auch um alltagspraktische Kreativität, die durch spezifische didaktische oder therapeutische  Erfahrungs-Arrangements  gefördert werden kann . (Stichwort: „Museum für Gesundheit“ ).

Eine dialogische Annäherung ist in diesem Zusammenhang von Bedeutung, um persönliche Entdeckungsprozesse  im Austausch  von Erfahrungen und Ideen  zu unterstützen und  diese als „Empowerment“  erlebbar zu machen. 

Die Anreicherung und Verbesserung der beruflichen Praxis ist dabei ein Motiv  und Ausgangspunkt für die  Teilnahme  an der  AG.

Michael Deppelers  Bericht über seine Erfahrungen mit der  Entwicklung des „dialog-gesundheit“ in Zöllikhofen machte darauf aufmerksam, dass der Dialog sich am ertragreichsten entfaltete , wenn die Beteiligten sich jeweils  als Lernende in ihrem eigenen Lebensprozess verstehen konnten.

Dies erscheint mir auch für den weiteren Austausch  in der AG Sprache als empfehlenswert.

Mein persönliches Interesse:

Ich möchte die Verständigung in der Gruppe gern auch „ergebnisbezogen“  gestalten  und dabei  auch in möglichen „Produkten“  denken können.

Gern möchte ich auch zu einer  Veröffentlichung von Erkenntnissen  beitragen, die jüngeren KollegInnen den Zugang zu einer  besseren/befriedigenderen  beruflichen Praxis erleichtern können.

Die Mitarbeit an dem  Nachschlagewerk „Leitbegriffe der Gesundheitsförderung“ der  BZgA  war  für mich z.B. ein erster  Schritt zu einem  allgemein zugänglichen „lernenden Lehrwerk“  für eine Gesundheitsförderung im Sinne der Ottawa-Charta der  WHO:

http://www.bzga.de/leitbegriffe/?id=autoren&idx=10

Es gibt sicherlich noch wesentlich phantasievollere  Aufbereitungen  von Erkenntnissen und Einsichten und darauf freue ich mich.